Bevor ich mein System entwickelt habe, räumte ich immer mal wieder meinen Schreibtisch auf. Dort fanden sich immer wieder Post-It’s oder andere Papierschnipsel mit kryptischen Informationen darauf. Wenn es sich dabei um etwas temporäres wie eine To Do Liste handelte, war mir das nicht so wichtig, aber immer wieder waren auch Notizen dabei, die nützlich klangen, aber völlig aus dem Kontext gerissen waren. Das hat mich immer wieder frustriert – ich sagte mir beim Notizen machen: “Na klar wirst du dich später daran erinnern, was damit gemeint war und wo die Referenz dazu steht.” Spoiler: Es war nicht so.

Als erste Maßnahme dazu habe ich mir dann mehr Notizen in mein Tagebuch geschrieben. Aber in der Regel kamen mir Ideen, wenn das Tagebuch weit weg war. Und wenn ich doch etwas in das Tagebuch notiert habe, schrieb ich danach die folgenden Seiten voll und das gute Zitat von Seneca geriet schnell in Vergessenheit.
Acta non verba – handeln, nicht sprechen – sagten bereits die Römer. Irgendwo notiertes Wissen ist nutzlos. Nur das Wissen, was wir auch anwenden und verkörpern, bringt uns weiter. Ohne ein sinnvolles System, bei dem du deine Notizen wiederfindest, wird das Wissen irgendwo verschwinden. Ist es aus deinem Kurzzeitgedächtnis, ist es für unbestimmte Zeit weg.
In der Schule habe ich viele Vokabeln lernen müssen und da war klar: um etwas im Langzeitgedächtnis zu speichern, müssen Inhalte wiederholt werden und das auch in länger werdenden Abständen. Das nennt man spaced repetition. Und auch das Verknüpfen von Inhalten mit anderen Wörtern, Bildern oder Informationen hilft immens im Lernprozess.
In meinem Workflow sind diese Prinzipien schon eingebaut. Es gibt nur ein Notizbuch in dem alle Notizen landen. Wenn die letzte Seite vollgeschrieben ist, gehe ich alle Seiten durch und übertrage die Informationen, die ich behalten will, in einen digitalen Zettelkasten (dazu gibt es auch einen Beitrag auf meinem Substack). Dabei schaue ich, mit welchen vorhandenen Notizen ich die neue verknüpfen kann. Automatisch schaue ich mir meine Notizen so immer wieder an und stelle neue, einzigartige Verbindungen her.
Hier die Punkte nochmal zusammengefasst:
Wenn deine Notizen verstreut sind, sind sie wertlos.
Wenn du keine Quellen oder Bezüge notierst, findest du sie vielleicht nie wieder.
Wenn du dir Notizen machst und nie wieder ansiehst, kannst du sie dir sparen.
Wenn du deine Notizen nicht regelmäßig ansiehst und neu verknüpfst, gehen sie nicht ins Langzeitgedächtnis über.
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